Von der Antike bis zur App

Virtuelle Physiotherapie auf den Spuren von Herodikos

12. April 2022

Herodikos GmbH

©Herodikos GmbH

Wenn was zwickt, geht man zum Arzt. Diese alte Regel scheinen junge Unternehmen aus dem Gesundheitssektor außer Kraft setzen zu wollen. Unzählige Apps versprechen digitale Linderung für unsere Leiden. Das Vareler Start-up Herodikos geht bewusst einen anderen Weg: Zwar bietet es seine Dienstleistungen online an, doch der Arztbesuch bleibt eine Voraussetzung dafür. Im Zentrum steht nämlich nicht die schnellste oder einfachste Behandlung – sondern die beste.


„Unser Ansatz kommt aus der ärztlichen Praxis“, erklärt Eva Schobert, eine der drei Gründer:innen der Herodikos GmbH. In den USA war sie in der Leistungssportmedizin tätig. Von dort brachte sie die Überzeugung mit, dass Bewegungstherapie für viele Krankheitsbilder sinnvoll und effektiv ist – nicht nur für Rücken- und Knieleiden, sondern auch für Depressionen „Tatsächlich ist sie hierzulande schwer umzusetzen: Das Budget ist knapp, die Erfolgsmessung schwierig.“

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Das Beste aus zwei Welten

Statt sich über die Situation zu ärgern, fasste die junge Ärztin einen Entschluss: sie zu verändern. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Dr. Lasse Schulte-Güstenberg und dem Software-Entwickler Jan Penning konzipierte Schobert ein „Blended Care“-Modell, das bedeutet eine Mischung aus persönlicher Betreuung und digitalen Möglichkeiten. Und diese Idee schlug voll ein.

Danach lief alles, wie es sich für ein Start-up gehört: rasend schnell. Mit einem EXIST-Stipendium ging es im März 2019 zunächst in das Gründer- und Innovationszentrum (GIZ) der Carl von Ossietzky Universität, anschließend folgte ein halbjähriges Coaching im GO! Start-up Zentrum. „Die Strukturen haben wir als total positiv empfunden“, blickt Schobert zurück. Kontakte und Know-how seien genau das, was Start-ups in dieser Phase bräuchten. „Das galt für uns umso mehr, wir hatten vom Gründen ja gar keine Ahnung.“

Beim Angebot von Herodikos handelt es sich nicht etwa um die „App auf Rezept” oder eine „DiGA”, also eine digitale Gesundheitsanwendung. Es ist vielmehr ein Gegenentwurf dazu. „Die meisten Apps bedienen die Masse und lassen den Arzt außen vor“, erklärt Schulte-Güstenberg. „Der Effekt ist gering, die Abbruchquote hoch.“ Herodikos setzt deshalb auf individuelle Behandlungen. Die Patient:innen bekommen eine vollwertige Therapie, können sie über die App aber flexibel umsetzen. Die telemedizinische Betreuung übernimmt das siebenköpfige Herodikos-Team selbst. Die Reaktionen der User:innen sind eindeutig – sie bewerten die App mit Bestnoten.

Pionierarbeit mit Potenzial

Einen Haken gibt es jedoch: Jede einzelne der über hundert Krankenkassen in Deutschland muss von den Qualitäten des Modells überzeugt werden. Gleiches gilt für die Ärztinnen und Ärzte sowie deren Verbände. Branchenriesen wie die Techniker Krankenkasse gehören bereits zu den Partnern, doch die Pionierarbeit ist bisweilen zäh: „Würde es nur ums Geld gehen, hätten wir wohl längst aufgehört“, schmunzelt Eva Schobert. Die Motivation ist eine andere:

 

„Es ist unglaublich spannend, das Gesundheitswesen an dieser Stelle zu verändern. Ich finde das viel motivierender, als sich über einen Zustand nur zu ärgern.“

Dr. Eva Schobert, Ärztin und CEO bei Herodikos

 

Kein Zweifel: Den Start-up-Spirit lassen sich Schobert und ihr Team nicht nehmen. Als typischen Vertreter dieser Zunft sieht sie Herodikos allerdings nicht: „Unser Geschäftsmodell kann man nicht so einfach skalieren wir einen Online-Shop. Wir bewegen uns in einem regulierten Markt und haben eine persönliche Komponente dabei.“ Dass bisherige Finanzierungsrunden dennoch erfolgreich verliefen, spricht für die Substanz der Idee. Und so bleibt es beim großen Ziel: „Jede:r Versicherte soll Herodikos nutzen können.“

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Mehr als schnell und einfach

Aber was ist man eigentlich nach vier rasanten Jahren zwischen Gründerstipendium, Start-up-Zentrum und Risikokapital? Noch Ärztin? Oder durch und durch CEO? Schobert zögert kurz, antwortet dann aber: „Mir ging es immer um eine Verbesserung der Behandlung. Dafür musste ich Gründerin und CEO werden, aber letztlich bin und bleibe ich Ärztin.“ Der Aufbau eines Start-ups passierte also fast nebenbei. Im Zentrum steht eben: nicht die schnellste oder einfachste Behandlung – sondern die beste.

Herodikos: Der Weg zur App-gestützten Therapie

Das Programm „Herodikos Plus“ bietet Ihnen individuelle Hilfe bei Rücken- und Knieschmerzen – persönlich durch Physiotherapeut:inneen per Video-Begleitung, digital durch die Herodikos-App und alles bequem von Zuhause aus. Dabei handelt es sich um eine vollwertige individuelle Therapie. Deshalb kann man die App nicht einfach herunterladen und loslegen. Wir erklären den Weg zur digitalen Versorgung bei Rücken- und Knieschmerzen in vier Schritten.


SCHRITT 1:

Am Anfang steht immer der Arztbesuch. Er ist Voraussetzung für eine individuell abgestimmte Therapie. Insoweit bleibt alles, wie Sie es gewohnt sind. Sie können sich entweder an eine teilnehmende Ärztin bzw. einen teilnehmenden Arzt vor Ort wenden oder deutschlandweit eine Video-Konsultation über die Online-Praxis ZAVA buchen. Starten Sie unter https://www.herodikos.de/plus. Eine Teilnahme an „Herodikos Plus“ ist für Ärztinnen und Ärzte deutschlandweit kostenfrei möglich. Sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf „Herodikos Plus“ an.

 

SCHRITT 2:

Ihre Ärztin oder Ihr Arzt prüft im Rahmen der Untersuchung, ob Sie für „Herodikos Plus“ infrage kommen. Dafür müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein:

Erstens: Ihre Krankenkasse muss zu den Partnerkassen von Herodikos gehören. Die Techniker Krankenkasse und die pronova BKK zählen bereits dazu, weitere folgen.
Zweitens: Sie leiden an Rücken- oder Knieschmerzen und Ihr Gesundheitszustand muss eine Behandlung mit Eigenübungen aus dem Bereich der Bewegungstherapie erlauben.

 

SCHRITT 3:

Sind beide Voraussetzungen erfüllt, steht der Anwendung nichts mehr im Wege. Sie erhalten vom Arzt einen Flyer mit einem Zugangs-Link zum Programm. Mit diesem buchen Sie sich einen Termin für das erste telemedizinische Gespräch. Die erfahrenen Physiotherapeut:innen von Herodikos erklären Ihnen, worauf Sie achten müssen. Anschließend können Sie mittels der Herodikos-App bequem selbstständig trainieren – wann und wo es Ihnen am besten passt.

 

SCHRITT 4:

Alleingelassen werden Sie aber zu keinem Zeitpunkt. Alle zwei Wochen erfolgen telemedizinische Beratungs- und Kontrolltermine zur Überprüfung Ihres Therapieverlaufs mit Ihrem begleitenden Herodikos-Physiotherapeuten. Die Therapiedauer beträgt abhängig von Verlauf und Krankenkasse zwischen drei und sechs Monaten. Danach wird eine erneute Vorstellung bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt empfohlen.

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