Aus der Balance

Money Talks: Wie die Inflation unser Leben teurer macht

3. August 2022

Tankstelle Inflation

©Getty Images - Adene Sanchez

Derzeit gehören sie zum Alltag: die kleinen Schreckmomente an der Zapfsäule, der Ladenkasse oder im Café. Beim Blick auf die ungewohnt hohen Endbeträge wird deutlich spürbar, dass wir beim Bezahlen immer tiefer in die Tasche greifen müssen. Tatsächlich werden viele Waren und Dienstleistungen zunehmend teurer. Grund dafür ist ein Zusammenspiel aus drei Faktoren.


Viele Jahre lang begegnete sie uns vor allem in Geschichtsbüchern: die Inflation. Die Einträge erzählen davon, dass eine Tasse Kaffee vor hundert Jahren mehr kostete als heutzutage die Flotte der Lufthansa. Oder dass die Menschen Bargeld mit Schubkarren von der Bank holten. Nun ziehen die Preise spürbar an. Kehren solche Zeiten etwa wieder?

Tatsächlich liegt die Inflation seit einer Weile deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), das für Geldwertstabilität steht. Schon im Sommer 2021 war sie auf über vier Prozent gesprungen, seit März 2022 liegt sie zwischen sieben und acht Prozent. Trotzdem sind alle Vergleiche zu den Jahren 1922 und 1923 übertrieben: Damals lag die Rate bei mehreren zehntausend Prozent. Wer morgens sein Haus verkaufte, konnte vom Erlös abends nicht mal mehr eine Hotelübernachtung bezahlen. Davon sind wir sehr weit entfernt.

Druck von drei Seiten

Aber wie kommt es zum aktuellen Anstieg? „Es gibt zwei Faktoren, die die Inflation nach oben treiben“, erklärt Prof. Dr. Stefan Janßen, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven (hier geht es zum Interview mit dem Experten). „Erstens: eine Zunahme der Geldmenge, etwa durch staatliche Förderprogramme infolge einer Finanzkrise oder einer Pandemie. Und zweitens: eine Verknappung von Gütern, die im Wirtschaftskreislauf benötigt werden, zum Beispiel durch einen Krieg.“ Beides betreffe aktuell die Eurozone und bringe das System aus der Balance.

Es kommt sogar noch ein dritter Effekt hinzu: Wegen der höheren Zinssätze in den USA ist der Wert des Euro auf ein Zwanzigjahrestief gesunken. Dadurch werden Waren, die in US-Dollar gehandelt werden, für uns teurer – zum Beispiel Rohstoffe oder industrielle Vorprodukte. „Wir importieren Inflation“, weiß Finanzexperte Janßen. Diese Dreifachkombination ist eine historische Anomalie – und sorgt für die Preissprünge an Ladenkasse und Zapfsäule.

Die Geldentwertung bringt verschiedene Probleme mit sich. Ein entscheidendes: Jeder einzelne Euro ist weniger wert – man muss also mehr Geld ausgeben, um seine gewohnten Einkäufe zu tätigen. Das mache Inflation auch zu einem sozialen Thema, bemerkt Janßen. „Die weniger finanzstarken Haushalte haben kaum Möglichkeiten, ihr Konsumverhalten anzupassen. Die Betroffenen kaufen sowieso nur das Nötigste.“ Steige der Preis, müssten sie das komplett tragen.

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Das halbvolle Glas

Wie lässt sich der Trend stoppen und die Inflation wieder senken? „Ein Kriegsende in der Ukraine wäre schon mal gut“, verweist Prof. Janßen auf die stark gestiegenen Energiekosten als Inflationstreiber. Außerdem sieht er den Ball bei der EZB: „Sie müsste die Zinsen jetzt behutsam weiter erhöhen, damit weniger Geld im Umlauf ist.“

Den Verbraucher:innen rät Janßen zu einfachen, aber probaten Mitteln: „Mobilität reduzieren, Energieverbrauch senken, günstige Alternativen kaufen, zum Beispiel Margarine statt Butter.“ Der kommende Winter werde zwar sicher teurer und ungemütlicher als sonst. „Aber im Vergleich zum Rest der Welt geht es uns sehr, sehr gut.“ Auch wenn er die Kosten nicht senkt, hilft dieser Gedanke durchaus im Umgang mit der Situation. Gleiches gilt für den Blick in die Vergangenheit: Weder brauchen wir Milliarden für einen Kaffee, noch müssen wir mit der Schubkarre zur Sparkasse. Im Vergleich dazu sind die kleinen Schreckmomente an Ladenkasse und Zapfsäule durchaus auszuhalten.

Noch tiefer einsteigen?

Sie wollen noch mehr über das brandaktuelle Thema Inflation erfahren? Und praktische Verbrauchertipps für den Alltag erhalten?
Dann lesen Sie gerne das ausführliche Interview mit Prof. Dr. Stefan Janßen.

Hier geht’s zu den Antworten des Experten.

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