Die ganze Region in einer Box

22. Oktober 2021
Lebensmittel-Box ©MeinMarktstand

Der Online-Handel boomt. Im letzten Jahr wurden 83,3 Milliarden Euro umgesetzt, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Nur an einem Bereich scheiterten bisher selbst die Branchenriesen: Lebensmittel. Zu schwierig waren die hohen Ansprüche an Qualität, Frische und Nähe zu erfüllen. Doch nun zeigt ein Unternehmen aus Oldenburg, wie es geht – und wie die Region davon profitiert.

„Eigentlich hatte ich nie vor, ein Startup aufzubauen“, erzählt Garvin Hinrichs (32), Gründer und Geschäftsführer von MeinMarktstand. „Ich hatte keinen fertigen Plan, sondern erstmal nur eine Idee.“ Wie so oft wurzelt das Große im Kleinen: Hinrichs war eines Morgens auf dem Wochenmarkt in Oldenburg und wollte ein bestimmtes Brot kaufen. Aber es war schon ausverkauft -– um neun Uhr dreißig. „Da dachte ich mir: Das muss doch auch anders gehen!“

Garvin Hinrichs ©MeinMarktstand

Zutaten


Zubereitung


Da dachte ich mir: Das muss doch auch anders gehen!

Vom Hofladen zur Haustür

Ging es auch. Der Jungunternehmer übertrug das Prinzip des Bauernmarkts ins Internet – mit möglichst vielen seiner beliebten Eigenschaften, aber ergänzt um weitere Vorteile. Der Online-Marktplatz ist rund um die Uhr geöffnet, er ist so nah wie der nächste Computer – und er ist größer und vielfältiger als seine realen Vorbilder. Rund 60 kleine Höfe und Familienbetriebe sind aktuell dabei, das Angebot umfasst über tausend Produkte – von A wie Aal-Mettwurst bis Z wie Zwetschen-Konfitüre. Mit wenigen Klicks lässt sich ein kunterbunter Warenkorb zusammenstellen. Sozusagen: die ganze Region in einer Box.

Aber wie hat Garvin Hinrichs gelöst, woran Jeff Bezos bisher gescheitert ist? Wie kommen die Waren zum Kunden? „Ganz einfach“, erklärt der ehemalige Bundeswehrsoldat. „Wir nutzen die Leerfahrten der Citipost. Das heißt: Auf Touren, die sowieso stattfinden, werden die tagesfrischen Waren zugeladen. MeinMarktstand bündelt die Bestellungen und dann werden sie – ebenfalls von der Citipost – am Wunschtermin zugestellt. Die Verpackungen werden wiederverwendet. So halten wir unseren ökologischen Fußabdruck sehr klein.“ Wie sagt man so schön in solchen Fällen? Einfach – aber genial!

Lebensmittel-Box ©MeinMarktstand

Offline & Online? Passt zusammen

Eines ist Hinrichs aber besonders wichtig: „Unser Angebot ist keine Konkurrenz zu den bestehenden Märkten. Da gehe ich nach wie vor gerne hin. Und ganz ehrlich: Das echte Markt-Gefühl kann man auch nicht imitieren.“ MeinMarktstand versteht er als Ergänzung: „Letztlich haben alle was davon. Die Kundschaft kann auch dann bei regionalen Höfen einkaufen, wenn die Zeit fehlt oder der Weg zu weit ist. Und die Höfe können über die Markttage hinaus ihre Waren anbieten und zudem ihr Produktsortiment erweitern.“

Auch die regionalen Höfe profitieren von MeinMarktstand ©Eytjehof
Die Produkte der Landwirte Jan und Anne sind ebenfalls auf MeinMarktstand zu finden ©Gut Altenoythe

Letztlich ist eine regionale „Win-Win-Win-Win-Situation“ entstanden – schließlich haben neben der Kundschaft und den Erzeugern auch die Citipost und natürlich MeinMarktstand etwas davon. Die Entwicklung des jungen Unternehmens ist ausgesprochen positiv, aufmerksam und aktiv begleitet von der LzO. Fünf Mitarbeiter zählt die Firma heute, zwei weitere sollen hinzukommen. Das Geschäftsgebiet ist aktuell das Oldenburger Land, „aber Bremen ist nah und Hannover auch nicht weit weg“, stellt Hinrichs schmunzelnd fest. Die Expansion kann kommen. Schließlich hat MeinMarktstand gezeigt, wie kluge Lebensmittel-Logistik funktioniert und die Region davon profitiert. Eben: Einfach – aber genial.

 

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