Von Herzögen geliebt, von Musen geküsst

8. Oktober 2020
Das Palais Rastede / © Ammerland Touristik

Kann man Ziegel, Putz und Mörtel lieben? „Definitiv. Schließlich können Baumaterialen Geschichten erzählen“, weiß Dr. Claudia Thoben aus Erfahrung. Seit 2001 arbeitet die Historikerin im Palais Rastede. Die letzten 15 als dessen wissenschaftliche Leiterin. Eine lange Zeit, in der sie das Gebäude trotzdem immer noch überraschen kann. Denn je nach Jahreszeit und Lichteinfall verändert das Bauwerk sein Aussehen und die Mauern fangen an zu erzählen vom „Es war einmal…“

 

Ein steinerner Stellvertreter

Viele haben hier ihre Spuren hinterlassen. Unter anderem der Gründer der „Landessparkasse zu Oldenburg“. Herzog Peter Friedrich Ludwig (1755  – 1829), erwarb den Landsitz 1822. Seine Visionen sind dort noch heute sichtbar. Es vergeht daher kaum ein Tag, an dem die 53-Jährige nicht „mit einer gehörigen Portion Demut im Herzen“ vor dem „architektonischen Juwel inmitten eines Gartens im englischen Stil“ gestanden hat. Es ist ihr Lieblingsort im Ammerland. Für sie symbolisiert er all das, was den Landkreis ausmacht: „Bodenständigkeit, die Liebe zur Natur und Aufgeschlossenheit.“

 

Weltoffener Lokalpatriotismus

Das spiegelt sich in der abwechslungsreichen Landschaft – von Moor bis Meer – ebenso wider wie in der herzhaften regionalen Küche. Dr. Claudia Thoben schwört dabei „auf Bratkartoffeln mit Ammerländer Schinken“. Doch erst die lokalen Charakterköpfe geben dem Landkreis ein Gesicht. Sie kenne niemanden, der sich trotz seiner geliebten blickdichten Rhododendrenhecken so konsequent die Neugier auf die Welt dahinter bewahrt habe wie die Ammerländerinnen und Ammerländer.

© Ammerland Touristik
© Ammerland Touristik

Zutaten


Zubereitung


Kreative Kooperation

Ihr Arbeitsplatz ist der beste Beweis dafür. Hohe Decken, knarzende Dielen, ein „Goldener Salon“, in dem man sich das Ja-Wort geben darf, dazwischen moderne Bilder wie die ab dem Herbst ausgestellten „Stadtlandschaften“ der Berliner Malerin Christin Lutze.

Gemeinsam mit dem 1999 gegründeten Kunst- und Kulturkreis Rastede (KKR) setzt die Historikerin auf Veranstaltungen, die einerseits dem Zeitgeist Raum geben, sich zu entfalten, anderseits aber immer die besondere Atmosphäre des Anwesens unterstreichen. Ein Teil dieses Bildungsauftrags ist die Arbeit mit Kindern.

 

Alte Mauern, neue Wege

Jahrhunderte lang war das ortsbildprägende Bauwerk im Besitz der herzoglichen Familie, bevor es die Gemeinde Rastede 2018 kaufte. Ab dem kommenden Jahr wird das Anwesen aufwändig saniert. Dadurch können die bestehenden Nutzungsmöglichkeiten erweitert werden. Sehr zur Freude von Dr. Claudia Thoben: „Kultur ist Lebensqualität. Sie schafft Erinnerungen und somit Nähe. Das können wir zukünftig einem noch breiteren Publikum als bislang vermitteln.“

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